FAZ 15.01.2026
12:35 Uhr

Aus Sicherheitsgründen: Rom führt Tempo 30 im  Stadtzentrum ein


Die „Revolution von Rom“: Im gesamten Stadtkern sind künftig nur 30 Kilometer in der Stunde erlaubt. Der Verkehrsdezernent weist Vorwürfe zurück, die Entscheidung sei ideologisch motiviert.

Aus Sicherheitsgründen: Rom führt Tempo 30 im  Stadtzentrum ein

Im historischen Stadtzentrum von Rom gilt seit Donnerstag generell Tempo 30. Vom Herabsenken der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit sind nicht nur die oftmals gepflasterten Gassen und Straßen des „Centro Storico“ betroffen, wo auf knapp der Hälfte des Wegenetzes schon seit Längerem Tempo 30 gilt, sondern auch einige wichtige Verkehrsadern entlang der verkehrsberuhigten Innenstadtzone. Ziel der von manchen Medien als „Revolution von Rom“ beschriebenen Maßnahme ist nach Auskunft des Rathauses, die Zahl der Verkehrsunfälle in der Ewigen Stadt zu reduzieren und jene der Verkehrstoten gar auf null zu drücken. Verkehrsdezernent Eugenio Patanè wies den mancherorts geäußerten Vorwurf zurück, die Entscheidung sei ideologisch statt verkehrspolitisch motiviert. Internationale Studien hätten gezeigt, dass das Herabsenken der Geschwindigkeit auf 30 Kilometer in der Stunde in Innenstädten die Zahl der Unfälle verringere, namentlich der schweren mit Personenschäden, so Patanè: „Damit senken wir das Todesfallrisiko im Straßenverkehr.“ Zudem habe sich die Zahl der Fußgänger in Rom in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht, auch und gerade wegen des ständig wachsenden Touristenandrangs. Im Heiligen Jahr 2025 hatten zusätzlich zu den Hauptstadttouristen rund 34 Millionen Pilger die Ewige Stadt besucht. 76 Stunden jährlich im Stau Die Hauptstadt, in der seit Oktober 2021 ein sozialdemokratischer Senat unter Bürgermeister Roberto Gualtieri regiert, habe die Pflicht, den Geschwindigkeitsunterschied zwischen den stärkeren und den verletzlichsten Verkehrsteilnehmern zu verringern, sagte Patanè. Rom steht unter den verkehrsreichsten Hauptstädten der Welt auf Rang 17. Weil der öffentliche Nahverkehr überlastet und ungenügend ausgebaut ist, sind viele Pendler auf das Auto angewiesen. Während des Berufsverkehrs sind viele Straßen Roms notorisch verstopft. Etwa 76 Stunden stehen Roms Autofahrer jährlich im Stau. Die neue Geschwindigkeitsbeschränkung, die neben der schon seit Jahren verkehrsberuhigten Innenstadt nun auf weiteren rund tausend Straßen gilt, soll mittels 40 zusätzlicher Radarkontrollen durchgesetzt werden. Zudem sollen 175 erhöhte Fußgängerüberwege gebaut und neue Schulstraßen mit Durchfahrtsverbot eingerichtet werden. Rom gilt als die italienische Stadt mit den meisten Verkehrsunfällen und Todesopfern im Straßenverkehr. Im vergangenen Jahr starben in der Metropolregion 124 Menschen im Straßenverkehr, 12.700 wurden verletzt. 34 Fußgänger kamen 2025 bei Verkehrsunfällen in Rom ums Leben. Bologna, die Hauptstadt der norditalienischen Region Emilia-Romagna, hatte 2024 als erste italienische Großstadt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde auf den meisten Straßen der Innenstadt eingeführt. Ausgenommen sind mehrspurige Schnell- und Durchfahrtsstraßen im Stadtgebiet. Im ersten Jahr der Neuregelung starb in Bologna kein Fußgänger im Straßenverkehr. 2025 wurden jedoch wieder fünf Fußgänger bei Unfällen tödlich verletzt.